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Montag, 27. November 2006

Der Herr der Ringe - Das dritte Zeitalter

Der Herr der Ringe - Das dritte Zeitalter ist für mich eines dieser Spiele, bei denen ich mich während des Spielens frage, ob es nicht totale Zeitverschwendung ist. Man sitzt auf der Couch und spielt ein Spiel das man in anderer Form schon mal gespielt hat. Das dritte Zeitalter ist nämlich eine lupenreine Kopie, der Spielmechanik von Final Fantasy X.

Wobei sich dies auch nur zum Teil behaupten lässt, da sich die Entwickler beim Kopieren nur auf das Kampfsystem beschränkt haben. Man läuft mit einem Charakter durch die Landschaft und alle paar Augenblicke macht es „Wusch" und man befindet sich in einem separaten Kampfbildschirm. Hier kommen dann auch die Reisegefährten zum Zuge. Zu dritt steht man dann 2-6 Gegnern gegenüber und wählt Rundenweise eine Aktion aus. Man kann normale Angriffe, Zauber, Specialmoves und Gegenstände benutzen. So versucht man nach und nach die Energieleiste des Gegners auf Null zu bringen. Am Ende gibt es Erfahrungspunkte und Gegenstände. Weitere Specialmoves erlernt der Charakter durch die Benutzung der bereits vorhandenen. Beim Stufenaufstieg kann man dann noch Punkte auf Rollenspieltypische Werte, wie Stärke etc., verteilen. Die Spielfiguren setzen sich aus einem die Gefährten Copyshop zusammen. Es gibt vier Menschen, einen Zwerg und eine Elbin. Die Gruppe hat es sich im Spiel zur Aufgabe gemacht den Gefährten nachzulaufen und den liegen gebliebenen Abfall aufzusammeln. Zuerst läuft man durch die Gegend um Bruchtal und besiegt Feinde, dann läuft man durch Moria und besiegt Feinde, danach läuft man über die Steppen und besiegt Feinde und so weiter. Es folgen noch Helms Klamm, Osgiliath, Minas Tirith und die Pelenor Felder vor dem Schwarzen Tor. Leider überall das Gleiche. Man läuft einen Weg entlang und besiegt Feinde. Rätsel löst man im vorbeigehen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn man muss stets Feinde besiegen, Rädchen drehen oder Leitern umstoßen, die sowieso auf dem Weg liegen. Einzige Abwechslung bietet Helms Klamm. Hier hat man die Möglichkeit ein bisschen umherzulaufen und mit NPCs zu sprechen. Diese haben allerdings auch nicht viel mehr zu sagen als gehe dorthin und spreche mit jenem und wenn du das erledigt hast komm zu mir zurück und spreche wieder mit mir. Hier findet auch meine Lieblingsquest statt. Für meinen Zwergen Kumpel soll ich den sagenumwobenen Hammer von Helm Hammerhand, oder so ähnlich, finden. Dieser soll super toll versteckt sein. Immer noch angenehm überrascht, dass ich mit NPCs sprechen kann und keine Zufallskämpfe stattfinden mahle ich mir aus wie ich mit meiner Gruppe tief in die Höhlen von Helms Klamm vordringe um diese Superwaffe zu finden. Gerade die Höhlen die im Film sehr unspektakulär weggekommen sind machten mich Neugierig, da sie im Buch doch als sehr Eindrucksvoll beschrieben waren. Voller Vorfreude gehe ich also auf einen Eingang zu, nahe der Brüstung wo schon ein paar Soldaten stehen und denke das ist der Eingang in die Höhlen. Da neben stand eine Kiste. Ich öffne sie um noch schnell nen Trank abzugreifen bevor ich tief in die Höhlen hinabsteige um den Superhammer zu finden. Was liegt drin? Natürlich! Der Hammer. Diese Quest ist ein Paradebeispiel für die ausgelassenen Chancen. Wenn ich schon ein Spielsystem kopiere dann kann man doch wenigstens das drum herum ein wenig liebevoll ausgestalten. Gerade bei einer so genialen Lizenz. Wie geil wäre es gewesen durch Bruchtal zu gehen und dort mit Elrond zu sprechen oder sogar als unbeteiligter an der Sitzung teilzunehmen, bei der über die Vernichtung des Rings gesprochen wird. Man hätte Städte in Rohan besuchen können, den Orthang Turm oder die Verstecke von Faramir. Auf die Art hätte man dann auch ein Shopsystem einbauen können. An diesen Orten hätte man nämlich wunderbar mit Händlern handeln können. Aber so handelt es sich um eine sterile tote Welt, in der man von einem Schlachtfeld zum nächsten wandert. Um nun auf die von mir angesprochene Zeitverschwendung zurück zu kommen. Dies war nur ein kleiner Auszug von dingen, die ich mir für das Spiel gewünscht hätte. Trotzdem habe ich ohne mit der Wimper zu Zucken das Spiel an vier Tagen auf einen Haps verschlungen. Wenn ich soviel daran auszusetzen habe, warum spiele ich es dann überhaupt, wenn man so viele andere schöne Dinge tun könnte. Dies liegt an den typischen Suchtmitteln die ein Videospiel anzubieten hat. Ich liebe es einfach Charaktere auf zu Leveln. Ständig wird man Stärker, bekommt neue Waffen (z.B. einen sagenumwobenen Hammer) und lernt neue Fähigkeiten. Die Technik des Spiels ist Hervorragend. Detaillierte Charaktermodelle, an denen jeder neue Gegenstand sichtbar zu erkennen ist. Aufwendige Effekte und Animationen bei Specialmoves. Etwas Detailarme aber doch sehr Stimmungsvolle Umgebungsgrafiken und ein knalliger Sound runden das ganze ab. Da ich ein Fan der Herr der Ringe Filme bin, gibt es somit auch noch einen satten Lizenzbonus. Einem Olifanten den gar aus zu machen hat schon was Feines. Letztendlich ist das Spiel für mich ein zu groß geratener Burger. Durch seine Soße und seine ganze Aufmachung macht er mir vor, dass er wohlschmeckend ist und eine menge Extras zu bieten hat. Nach der hälft denkt man aber, dass es reicht, dennoch isst man den ganzen Burger, obwohl man eigentlich schon satt ist. So verhält es sich mit dem Dritten Zeitalter. Anfangs ist man noch geblendet von der tollen Technik, dem flotten Kampfsystem und der Hoffnung da kommt noch mehr. Am Ende bleibt es aber für die komplette Spielzeit bei der Hoffnung und dem Gedanken der Zeitverschwendung.

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