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Dienstag, 28. November 2006

Deus Ex Invisible War

Deus Ex Invisible War hat ein Problem, den Vorgänger. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat braucht meine Kritikpunkte nicht ernst zu nehmen, denn es bleibt trotzdem ein Spiel das vom Gameplay her, an Komplexität und Einfallsreichtum sehr gut geworden ist.


Zu Beginn des Spiels, entscheidet man sich ob man als männlicher oder weiblicher Agent zu Felde ziehen möchte, dies hat allerdings vom Missionsverlauf fast keine Auswirkungen. Der Charakter läst sich im Laufe des Spiels mit sogenannten Bio-Modifikation ausrüsten, diese lassen ihn z.B. schneller rennen, Computer hacken oder Lebensenergie generieren. Im Spiel beginnt man dann in der Tarsus Akademie, einer Trainingseinrichtung für zukünftige Spezialagenten, die gerade von einer Religiösen Vereinigung überfallen wird. Die Flucht aus der Akademie kommt dabei einem Tutorial gleich, bei dem die grundlegenden Manöver und Aktionsmöglichkeiten erklärt werden. Danach hat man dann die Wahl wie man weiterspielen möchte, denn unterschiedliche Organisationen bitten sie um diverse Aufträge, die in beliebiger Reihenfolge innerhalb des Levels bewältigt werden können. Manchmal überschneiden sich die Interessen der Auftraggeber und man muss sich entscheiden für welche Organisation man den Auftrag erfüllen möchte. Leider hat dies keine spielerischen Auswirkungen, da ihnen die anderen Auftraggeber nie wirklich böse sind und trotzdem weiterhin Aufträge für sie haben. Storytechnisch wird am Ende zwar erklärt woran das liegt, spielerisch hätte es mir allerdings besser gefallen hätte ich mich für eine Gruppe entscheiden können. Das Gameplay selbst, besteht aus dem Erforschen und nutzen der Level-Umgebung. In einer Mission ist es z.B. nötig in eine Penthousewohnung einzudringen um Unterlagen aus einem Safe zu beschaffen. Jetzt kann man unter anderem, als Schwuler Laufbursche dem Besitzer den Schlüssel abquatschen, mit Waffengewalt den Sicherheitsdienst wegballern und anschließend die Tür sprengen, den Hausmeister bestechen oder sich über das Dach einschleichen. Man kann diese Wege natürlich auch kombinieren, letztendlich muss nur der Auftrag erfüllt werden. Diese Flexibilität im Gameplay macht den Reiz von Deus Ex 2 aus, man kann in Ruhe überlegen und sich einen eigenen Weg suchen. Getragen wird das ganze von einer spannenden Verschwörungsstory, die allerdings ein bisschen übertrieben wirkt durch einige Klischeehafte Charaktere. Technisch ist der Titel Solide, es gibt schicke Charaktermodelle die Umgebungen sind cool designt und es gibt eine klasse deutsche Sprachausgabe. Störend sind die langen Ladezeiten von über 20 Sekunden, bei einem Level-Wechsel, da dies öfter mal vorkommt stört es den Spielfluss. Ein paar Umgebungen sind auch etwas Lieblos gestalltet worden und wirken als hätte der Leveldesigner schnell fertig werden müssen. Außerdem kommt es zu gelegentlichen Rucklern. Das waren Kritikpunkte die das Spiel betreffen, jetzt kommen Kritikpunkte für die die den Vorgänger gespielt haben. Technisch wird nicht viel mehr geboten als im Vorgänger, eigentlich sogar weniger. Die Levels sind kleiner und Kompakter geworden und die Physikengine hat sich eher verschlechtert. Es gibt nicht mehr manipulierbare Objekte als im Vorgänger und gleichzeitig bewegen sie sich unrealistischer, da sie viel zu leicht sind und Kilometerweit geworfen werden können, außerdem sind die Lichtquellen im Spiel undynamisch, dass heißt nicht zerstörbar. Bei den Möglichkeiten der aktuellen Konsolen hatte ich mir einfach enorme Steigerungen im Vergleich zum Vorgänger erhofft. Der größte Kritikpunkt ist für mich allerdings das Fähigkeiten System. Im Vorgänger bekam man Erfahrungspunkte für das Erreichen bestimmte Levelabschnitte oder Handlungen die man im Spiel ausgeführt hat. Diese Punkte konnte man anschließend auf eine Vielzahl von Fähigkeiten verteilen, wie Schlösser knacken, Medi-Kit Einsatz, Computer hacken oder der Umgang mit Waffen. Bei Deus Ex 2 hat man sich nur auf den Einsatz von Bio-Mods beschränkt und selbst den noch vereinfacht. Dadurch ist es nicht mehr so motivierend, jeden Winkel des Level zu erkunden wie im Vorgänger. Letztendlich ist Deus Ex 2 die Lightversion von Deus Ex 1, mit besserer Grafik. Ich habe das Spiel sehr gerne Durchgespielt weil es sehr viel Spaß macht, aber ich kann nicht nachvollziehen, warum all die Dinge die den Vorgänger so genial gemacht haben, entweder gestrafft oder wegrationalisiert worden sind. Bei einem Nachfolger möchte ich mehr von allem was der Vorgänger hatte und nicht weniger. Also wer den Vorgänger nicht kennt soll sich das Spiel kaufen und glücklich werden, die anderen sollten sich im klaren sein das sie die abgespeckte Version von Deus Ex 1 kaufen, nicht mehr und nicht weniger.

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