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Mittwoch, 22. November 2006

Gewalt in Videospielen


Dieses Thema ist wahrlich nicht einfach zu analysieren. Diskussionen zu diesem Thema sind meist geprägt von großen Emotionen und festgefahren Meinungen und Einsichten. Daher will ich mal versuchen mich diesem Thema nüchtern und Wertungsfrei zu nähern (Was sicherlich schwer möglich ist).
Schau ich mir mal meine Sammlung mit PS 2 und X-Box Titeln an. 113 Titel und davon sind 19 als Gewaltfrei zu bezeichnen. Wobei ich z.B. ein Jak und Daxter Teil 1 mit zu Gewaltfrei zähle, da ich undefinierte kleine Monster und Pflanzenwesen per Wirbelkick beseitige. Teil 2 und 3 wiederum habe ich mit zur Gewalt gezählt, da ich mit Waffengewalt vorgehe. Auf gut deutsch, 83 % meiner Spiele sind dadurch gekennzeichnet, dass ich durch gewalttätiges Verhalten gegen Gegner im Spiel vorankomme. Dies ist sicherlich eine grobe Einteilung und man kann sich gewiss streiten, ob Resident Evil in eine Kategorie mit Final Fantasy X gehört. Ich habe mich einfach danach gerichtet, muss ich einen Feind besiegen Ja oder Nein. Nun stellt sich sicher die Frage, kann man Gewalt so einfach Kategorisieren, oder ist der Begriff differenzierter zu betrachten. Bemüht man verschiedene Quellen wie Wörterbücher, Lexika, Internet etc., so läuft es meist darauf hinaus, dass ein Zwang mit Hilfe von Mitteln, die sowohl physisch als auch psychisch sein können, durchgesetzt wird gegen den willen eines anderen. Unter dieser Betrachtungsweise, war meine Einteilung glaube ich schon gar nicht so schlecht. Im Grunde müsste auch Jak und Daxter noch mit rein. Gegen den Willen eines anderen, den Gegner, setze ich meine Ziele durch. Die Frage die ich mir nun stelle, welche Schlüsse lassen sich aus dieser Beobachtung ziehen. Ich glaube nicht, dass ich die Spiele spiele weil ich Gewalt in ihnen ausüben kann. Nehmen wir z.B. die Rennspiele aus meiner Sammlung. Wenn man außer acht lässt, dass ich meinen Gegner rammen könnte, gehören sie denke ich zur Gattung der Gewaltfreien Spiele (Ein Grund warum ich auf 19 gewaltfreie Titel komme, ich habe viele Rennspiele). Zwar muss auch hier ein Gegner besiegt werden, um ein Ziel zu erreichen, man muss aber nur schneller sein als er. Geschick und Streckenkenntnis sind in diesem Fall der Schlüssel zum Erfolg. Ein Rennspiel durchzuspielen löst bei mir dieselbe Befriedigung aus, wie bei einem „Gewalt Spiel“. Durch geschicktes ausnutzen der mir als Spieler an die Hand gegebenen Möglichkeiten, versuche ich ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg zu räumen um an mein Ziel zu kommen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich bei Hitman 2 zur folgenden Aussage habe hinreißen lassen: „ Hey echt cool wie das Blut auf der Rückseite des Körpers rausspritzt und an der Wand kleben bleibt.“ Was hat mich daran fasziniert, dass Blut gegen eine Wand spritzt? Ehrlich, keine Ahnung. Wenn ich mir die Szene vor Augen führe, fällt mir lediglich „Boah da spritzt Blut“ ein. Damit ist aber klar, dass man es durchaus hätte wecklassen können. Wenn nicht mehr zurück bleibt außer einem solchen Reflex, dann kann man ihn auch gleich weglassen. Woran ich mich wirklich erinnere ist z.B. der Level im verschneiten Japan. Bis auf einige vereinzelt stehende Bäume gab es keine Deckungsmöglichkeit. Rannte man einfach los um zum in einiger Entfernung stehenden Lastwagen zu gelangen, wurde man erschossen. Zuerst habe ich überhaupt nicht verstehen können, wo der Schütze war. Es war niemand zu sehen. Nur mit dem Fernglas konnte man sehen das im weit entfernten Turm eine Wache auf Posten war, die mit einer Scharfschützenarmbrust das Gebiet absuchte. Es gab keinen Pfad zum umgehen des Sichtfeldes und man konnte nicht über den Boden kriechen. Also Beobachtete ich die Wache erst einmal mit dem Fernglas. Da konnte man sehen, dass sie zwischendurch für einen Moment die Armbrust runter nahm. In dieser Phase konnte man zum nächsten Baum rennen und warten bis zur nächsten Phase. Wenn man es so sieht ist Hitman 2 geradezu pazifistisch veranlagt, da man als Spieler die größere spielerische Befriedigung erlangt wenn man gewaltfrei vorgeht. Dieser Gedanke ist natürlich Blödsinn, da am Ende eines Levels immer ein Opfer getötet werden muss und Core Effekte wie das Blutspritzen verherrlichen den Tötungsvorgang unnötig. Demnach lassen sich innerhalb von „Gewaltspielen“ durchaus Grenzen ziehen zwischen spielerischen Gehalt durch Problemstellungen die indirekt mit Gewalt zu tun haben, wie die Tatsache das mein Charakter getötet wird wenn ich einfach so losrenne und direkter unnötiger Gewalt in dem ich in der Lage bin, jede Figur innerhalb des Spiels, mit brutalen Core Effekten unterlegt, zu töten. Andererseits? Vielleicht ist die Gewalt gar nicht mal so unnötig. Wenn ich nicht die Wahl hätte zwischen diesen beiden Vorgehensweisen, währe es unter umständen, nicht so befriedigend gewaltlos vorzugehen. Sicherlich lag es nicht in der Absicht der Entwickler genau dies zu erreichen. Mit Gewalt kann man nun mal provozieren was dem Spiel nicht nur Bekanntheit bringt, sondern viele aus reiner Neugier dazu treibt, dass Spiel zu kaufen, da sie auch sehen wollen was alles an Splatter ins Spiel gebracht wurde. Ich will ja auch Splatter. Wenn er nicht vorhanden ist werde ich immer noch gut unterhalten aber auch die inneren Triebe wollen gesättigt werden. Damit stellt sich die Frage, inwieweit ist es moralisch vertretbar, einen Killer innerhalb eines Videospiels zu verkörpern?

Fortsetzung folgt.

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