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Mittwoch, 11. Juni 2008

Jäger und Sammler

Manchmal bin ich regelrecht entsetzt über meine eigene Primitivität. Wie ich mir dann immer einrede „Ja die Story ist doch so anspruchsvoll.“ oder „Die geistige Herausforderung so immens.“ Alles Blödsinn, ich spiele Videospiele/Computerspiele weil mein primitiver Urinstinkt des Jagen und Sammelns befriedigt wird. Man war das cool als ich bei Gran Turismo 3 das letzte Ausdauerrennen gewonnen hatte. Es war stinkend langweilig Runde um Runde abzureißen, aber boah ey war das cool als ich es hinter mir hatte und dann gab es noch einen zusätzlichen Wagen für die virtuelle Garage als Belohnung, weil ich alle Rennen gewonnen hatte. Echt der Hammer. GT3 habe ich weit, weit über 100 Stunden gespielt. So viele Spiele hätte ich spielen können, aber diese verflixte prozentuale Fortschrittsanzeige hat mich immer wieder ans Pad gelockt. Irgendwann als ich die 75% geknackt hatte und wieder mal ein Auto zu Belohnung bekam hat sich dann der Wunsch manifestiert die 100 % voll zu bekommen. Ich muss ganz ehrlich sagen, so ab 50% wurde mir das Spiel echt langweilig. Immer wieder die gleichen Strecken immer wieder die selbe lahme KI, aber die 100 %, man die wollte ich unbedingt. Momentan steh ich bei 99,8%. Wer sich jetzt fragt warum ich nicht die 100% voll mache dem sei folgendes gesagt. Dieser verflixte, dreckige, blöde, dämliche, idiotische, verabscheuungswürdige, dumme und absurde Complex-Ring hält mich davon ab. Man muss in eine Zeitherausforderung auf diesem Kurs in einem Porsche meistern. Eine Runde dauert an die 5 Minuten und hat alle schwierigen Kurven Konstellationen in sich vereint die man sich für eine Rennstrecke ausdenken kann. Zusätzlich wird die Runde sofort abgebrochen, wenn man den Grünstreifen berührt. Es ging einfach zu sehr an meine Nerven immer und immer wieder rauszufliegen oder zu langsam zu sein. Deshalb wird mein Savegame in alle Ewigkeit bei 99,8% verharren. Aber worauf ich mit dieser Anekdote hinauswollte. Ich habe Stunde um Stunde gespielt ohne besondere Glücksgefühle zu haben. Ich wollte lediglich die 100% voll kriegen. Eine blöde Prozentanzeige brachte mich dazu meine kostbare Zeit damit zu verbringen, mit virtuellen Autos über virtuelle Rennstrecken im Kreis zu fahren. Das ist primitiv und in gewisser Weise auch furchteinflößend. Man sitzt auf der Couch und denkt beim spielen die ganze Zeit: „Ist das langweilig. Man die Strecke bin ich doch eben erst gefahren. Nicht schon wieder. Eigentlich könnte ich auch mal wieder an die frische Luft. Ist in China nicht ein Sack Reis umgefallen? Vielleicht sollte ich jetzt aufhören! Uuh Uuh, ich hab da ja jetzt 79%, na die 80% schaff ich jetzt auch noch.“
Noch ein PC-Spiel Beispiel. Der gute, alte, betagte und für mich immer noch unerreichte Eishockey Manager. Ich glaube von Software 2000. Man korrigiere mich wenn die Entwickler anders hießen. Die hatten auch den Bundesliga Manager in petto, als bei der DFL noch keiner wusste das die Lizenz was Wert ist. Auf jeden Fall hat man bei diesem Manager sich in den ersten paar Saisons ne starke Truppe aufgebaut und war anschließend unbesiegbar. Da man, wenn das Stadion voll ausgebaut war und die Werbeeinnahmen flossen, man sein Erspartes zur Bank brachte und durch die Zinsen immer noch reicher wurde. So konnte man immer die besten Spieler vom Transfermarkt holen und mit der richtigen Trainingseinstellung bis zum Maximum pushen. Effektiv musste man nur noch sich von Spieltag zu Spieltag klicken. Das Spielergebnis sah man sich im Zeitraffer an. Ab und zu ein neuer Werbevertrag und die Millionen gingen aufs Konto. Aber der Statistikbutton. Oh jää Baby. Für jede Saison wurde aufgeschlüsselt welche Plazierung man gemacht hat, welche Titel gewonnen wurden und die ewige Tabelle gab einen Überblick über alle Siege und Niederlagen. Man sowas von geil. Ich habe ca. bis ins Jahr 2040-2050 gespielt. Ein paar Jahrzehnte vorher hatte ich allerdings schon das Geldlimit erreicht. Knapp 711 000 000 DM konnte man aufs Konto bringen. Hätte man dann noch mehr eingezahlt, dann hätte sich die Summe ins Negative verkehrt. An Bargeld konnte man dann zusätzlich ca. 166 600 000 DM anhäufen. Ja der gute alte SC Willhelmshafen, was haben wir durchgestanden. Am coolsten war mein einer Torwart. Normal gingen die Spieler immer mit 36 in Rente. Mein Torwart Björner blieb aber, aus mir unerfindlichen Gründen, bis fast 50. Er durfte auch immer spielen, obwohl ich jüngere Spieler mit höherem Stärkewert hatte.
Worauf ich hinaus will, diese Spiele haben mich bis in die letzte Faser meines Körpers motiviert und das einzig und allein wegen Statistischen Zahlenwerten die immer weiter angestiegen sind, so dass ich mich an ihnen selbst berauschen konnte. Jäger und Sammler, manchmal ist es erschreckend einfach ein motivierendes Spiel auf die Beine zu stellen.

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