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Freitag, 29. August 2008

Zeit der Unschuld

Wie mittlerweile die fleißigen Leser der GameStar sicherlich gemerkt haben, befindet sich auf der DVD der aktuellen Ausgabe, das Überspiel, der Klassiker, der GodFather of Strategie Colonization. Kurz Colonize. Die Eingabe von colonize in die Tastatur, fühlt sich erschreckend vertraut an. Unter DOS hat man früher immer colonize eingeben müssen, um das Spiel zu starten. Ja, dass wahren noch Zeiten.
Seit ich vom Nachfolger gehört habe bin ich natürlich Feuer und Flamme, auch wenn ich befürchte, dass der alte Charme nicht wieder erreicht werden kann. Die neueren Civilizations mag ich auch nicht so sehr wie das Original. Auf jeden Fall war die Vollversion für mich mal wieder die Gelegenheit den Klassiker zu spielen. Es ist ziemlich genau 10 Jahre her als ich es zuletzt gespielt habe und davor gut 4 Jahre am Stück. Ich installiere also das Programm und starte die Anwendung und versinke in einem Meer von Kindheitserinnerungen. Die tolle Musik, sie klingt heute noch schöner wenn man bedenkt wie gering der Platz für Soundfiles auf 3 Disketten gewesen sein muss. Ich habe beim ersten Starten im Übrigen das Intro gleich per Mausklick abgebrochen. Dieser Reflex war immer noch drin. Schnell klicken und das letzte Spiel starten, dass war früher Routine. Mittlerweile habe ich auch schon wieder Tommys Neue Welt entdeckt und meine Startkolonie TomsTown gegründet. Hach manche Gewohnheiten wird man halt nicht los.
Um aber nach all der Nostalgie zum Titel des Blogs zurück zu kommen. Colonization habe ich mir in einer Zeit gekauft, in der ich meinen ersten PC noch hatte. Er war auch schon ein wenig in die Jahre gekommen, ein 386er mit 84 MB Festplatte und einer der legendären Soundblasterkarten. Ach ja und den Arbeitsspeicher hatte ich verdoppelt. Statt 2 MB Ram hatte er 4 MB. Meeeehr Power.
Zu dieser Zeit jedenfalls, um auf die Unschuld zu kommen, dachte ich alle Computerspiele sind toll. Ich konnte mir nicht viele Spiele leisten und Raubkopien wurden auch nicht so viele auf dem Schulhof verteilt. Jedenfalls war ich sehr leicht zufriedenzustellen. Ein paar bewegte Bilder und ein Spiel war für mich großartig. Spiele verfügten für mich über keine schlechte Eigenschaften. Es gab keine schlechte Grafik, keine schlechte Steuerung, keinen schlechten Sound, kein langweiliges Leveldesign oder eine spannungsarme Geschichte. Jedes Spiel war Super und ich musste lernen wie es funktioniert. So etwas wie Frust gab es einfach nicht. Ich weiß noch ganz genau wie ich Wochenlang Civilization gespielt habe und mich ständig gefragt habe warum Einheiten aus anderen Ländern immer irgendwann bei meiner Stadt aufgetaucht sind. Ich habe einfach nicht gewusst, dass ich mit meinen Einheiten die Stadt auch verlassen konnte. Dazu sei erwähnt, dass die einzigen Spiele die ich damals hatte Prince of Persia, Monkey Island 2 (auf Englisch) und halt Civilization, achja Patrizia auch.
Also wie gesagt ich hatte es einfach nicht gecheckt. Dennoch war ich glücklich. Dann kam der Tag an dem ich im Menü den Befehl Go to gefunden habe. Wenn eine Einheit blinkte und ich den Befehl auswählte konnte ich die Einheit bewegen. Alter geil, jetzt wird das Spiel ja noch tollerer als vorher. So hat man sich halt Stück für Stück vor gewagt. Dann lernte ich z.B. das man einfach nur mit der rechten Maustaste klicken musste um eine Einheit zu bewegen, dass es Tastaturkürzel für Straßenbau gibt usw. Was ich sagen will, so allmählich lernte ich die Mechaniken von Spielen kennen. Damit begann der schleichende Prozess, bei dem man als Spieler seine Unschuld verliert.
Mein schwärzester Tag war der, als ich feststellen musst, dass es auch schlechte Spiele gibt. Schuld war das Rundenstrategiespiel Fallen Haven. Ich habe es installiert, gespielt und musste feststellen, dass ist jetzt aber mal echt langweilig. Woraufhin es klick machte und von einem auf dem nächsten Moment war alles vorbei. Von nun an konnte ich Spiele nicht mehr kaufen weil der Name gut klang oder sich tolle Bilder auf der Rückseite der Packung befanden. Ich musste anfangen Zeitschriften zu lesen um im Vorfeld abschätzen zu können, ob ein Spiel so gut ist, dass es sich lohnt gespielt zu werden.
Wenn man heute ein Spiel spielt vergleicht man es immer mit anderen Spielen. Man beurteilt die Grafik, die Soundeffekte, die Sprachausgabe usw. Manchmal wünschte ich die alten Zeiten würden wieder kehren, wo das Spielen noch derartig faszinierend war, dass man Stundenlang Civilization spielen konnte ohne die Stadt zu verlassen. Oder in Colonization immer wieder von vorne die neue Welt entdeckt hat, um vielleicht noch größere Kolonien zu errichten, noch mehr Schätze zu finden. Sie ist tod.





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