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Sonntag, 4. Juli 2010

Brütal Legend

 
Alter Eintrag vom 25.11.2009


Diesen Eintrag hätte ich ja am liebsten gleich noch während ich die ersten Spielminuten hinter mich gebracht habe geschrieben. Denn meine Begeisterung hat in diesen ersten 2 Stunden wirklich keine Grenzen mehr gekannt. Seitdem ich Computerspiele spiele, ist Tim Schafer ein ununterbrochener Wegbegleiter für mich gewesen. Angefangen bei den Monkey Island Titeln bis zu seinen jetzigen Konsolenwerken, habe ich jedes seiner Spiele bis zum Exzess gespielt. Ich habe sogar jedes seiner Spiele mehrmals durchgespielt, was denke ich das größte Lob ist, was man als Spieler an einen Designer weitergeben kann. Ich wollte einfach immer wieder in diese wunderbaren schrägen Welten abtauchen. Sei es um als schusseliger Pirat Abenteuer zu erleben, durchs Land der Toten zu wandern, lila Tentakel an der Weltherrschaft zu hindern oder mir Raz durch die Gehirne anderer Leute zu stromern. Einmal hat mir nie gereicht. Was ich damit sagen will, ich vergöttere Tim Schafer als Spieldesigner und  Erschaffer neuer Welten.

Das gelobte Land des Heavy Metal

Brütal Legend ist von daher natürlich ein absoluter Pflichtkauf für mich gewesen. Denn dieses Spiel ist ja laut eigener Aussage von Schafer genau das Spiel gewesen, dass er schon immer machen wollte und seiner Liebe zum Heavy Metall Ausdruck verleihen. Auch wenn ich das Game jetzt noch nicht durch habe, kann ich nur sagen, Mission erfüllt. In jeder Sekunde des Spiels spürt man die Liebe der Macher zum Heavy Metal und selbst ich, der ich ja eigentlich ein musikalischer Kostverächter bin, könnte allein wegen dieser tollen musikalischen Stimmung stundenlang durch die Spielwelt wandern. Es ist kaum auszudenken, wie toll ich das Spiel finden würde, wenn ich ein wirklicher Metal Fan wäre. So verstehe ich vermutlich viele Anspielungen im Spiel gar nicht und kann mich dann nicht wie ein Kleinkind freuen, weil ich sie verstanden habe.  Dennoch laufe ich nur mit staunendem Blick durch die offene Spielwelt, welche wie eine Collage aus unterschiedlichen Metal Plattencovern zusammengesetzt wirkt. Auspuffrohre die aus einem Felsmassiv ragen, riesige Schwertgriffe die im Boden stecken und teuflische Dämonen die durch die Lande ziehen. Der optische Stil sucht hier derzeit wirklich seines gleichen.  Allein für das Startmenü, welches in Form einer Schallplatte die aus der Hülle genommen wird, aufgebaut ist, gehört den Entwicklern ein Kreativ-Denkmal gesetzt.

Und worum geht es

Nach all der Schwärmerei und Verklärung aller nüchternen Tatsachen, worum geht es überhaupt bei Brütal Legend? Held des Spiels ist Eddie Ricks, seines Zeichens der beste Roadie der Metal-Welt. Doch ihm plagt ein gewaltiges Problem, er ist einfach in einer falschen Zeit geboren worden. Heute ist der Metal einfach nicht mehr das, was er einmal war. Er hat seine ganze Ursprünglichkeit und Naturgewalt verloren. Gerade als Eddie glaubt es könnte nicht mehr schlimmer kommen, wird er allerdings eines besseren belehrt und in die Welt des Gottes Ormagöden versetzt. Was für den einen die Hölle wär, ist für Eddie hingegen das Paradies, der Himmel oder zumindest etwas Vergleichbares. Diese Welt voller awesome Gewalt, Chicks, Bier und Heavy Metal ist einfach nur traumhaft. Doch leider ist auch in dieser Welt nicht alles Freude Sonnenschein. Denn auch hier ist die Ursprünglichkeit des Metal in Gefahr, der fiese General Lionwhite hat die ganze Welt korrumpiert und kommerzialisiert. Nun haben die Manager das Sagen und es geht nur um den Profit. Die Musik zählt nichts mehr. Doch Eddie wäre nicht der größte Roadie aller Zeiten wenn er sich nicht dem Widerstand anschließen und sie ins gelobte Land des Rock führen würde. Die Story ist also total durchgeknallt, dabei kritisiert und karikiert sie zugleich die Musikindustrie. Einfach großartig, selbst für mich als nicht Metal-Fan fühle ich mich total beschwingt im Kampf gegen diese Weicheier die uns die Musik kaputt machen wollen. Egal was ihr tut, hört bloß nicht auf zu rocken.

Voll Brütal

Spielerisch geht das Spiel dabei überraschend ungewöhnliche Wege. Denn es verbindet Spielelemente der unterschiedlichsten Genres. Da wäre z.B. die offene Spielwelt, in der man sich frei bewegen und seine Auftraggeber zu jeder Zeit aufsuchen kann. Dann gibt es die Action-Adventure Abschnitte, in denen man sich durch zahlreiche Gegner schnetzelt und wilde Combos abfeuert. Auch ein Kommandosystem wurde integriert um NPC-Begleitern rudimentäre Befehle wie folgen, angreifen und verteidigen zu geben. Ganz wichtig sind dann die sogenannten Stage-Battles. Dies ist im Grunde ein reiner Strategiepart. Jede Seite hat eine Bühne die es zu verteidigen gilt. Zwischen den Bühnen liegen dann die Fan-Geysire. Diese muss man einnehmen um Fanenergie als Ressource zu generieren. Mit dieser Energie kann man dann unterschiedliche Einheiten erschaffen. Da wären z.B. Headbanger als Nahkämpfer, Motorradrocker als Heiler und heiße Mädels mit Gewehren für den Fernkampf. Man selbst kann dann mit Eddie über dem Schlachtfeld schweben um Befehle zu geben, aber auch aktiv am Kampf teil nehmen. Wenn die Bühne des Gegners gefallen ist hat man gewonnen. All diese Spielelemente werden toll von der Story vorangetrieben, die einen wirklich in eine Welt des Heavy Metal versetzt und einem das Gefühl gibt für das Recht auf anständige Musik zu kämpfen.

Den kenn ich doch

Wie bei eigentlich allen Spielen an denen Tim Schafer beteiligt war, lebt auch dieses Spiel von den vielen Kleinigkeiten, die von den Entwicklern implementiert wurden. Denn spielerisch muss man ehrlich sein, ist es alles andere als perfekt. Denn in seine Einzelteile zerlegt ist es nun mal nichts besonderes durch eine offene Welt mit einem Auto zu fahren, oder sich mit einer Axt durch Gegnerhorden zu schnetzeln. Vor allem der Strategiepart spielt sich ein wenig zäh, da man gar nicht immer die nötige Übersicht hat um seine vielen verschiedenen Truppentypen gezielt einzusetzen. Aber durch das mehr als brillante optische Design der Welt, den hammermäßigen Soundtrack, welcher einen ständig durch das Spiel begleitet und die duzenden von Gags, wird man derartig gut unterhalten, dass einem sämtliche Unzulänglichkeiten, vollkommen egal sind. Gerade die Spieler, die sich in der Musikbranche ein wenig auskennen und damit in der Lage sind sämtliche Anspielungen zu verstehen, werden vermutlich noch mehr Freude an dem Spiel haben als ich, der ich von Musik und seinen Künstlern so viel Ahnung habe wie z.B. Horst Sergio von Fußball. Unter den Gaststars finden sich z.B. Ozzy Osbourne als Hüter des Metal, Lemmy Kilmister als Killmaster und als Sprecher/in Lita Ford als Rima oder Rob Halford als General Lionwhyte . Brütal Legend ist einfach ein Spiel mit Seele, denn es raubt die des Spielers. Party on Eddie, egal was du tust, hör bloß nicht auf zu rocken.

Spielszenen aus Brütal Legend


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