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Sonntag, 11. Juli 2010

MAG!!!



Nachdem ich neulich den Retro-Testbericht zu Murder on the Mississippi von Wutosa gelesen hatte, da kam mir bei den gezeigten Screenshots das Spiel MAG!!! in den Sinn. Denn Murder on the Mississippi selbst, hatte ich mangels C64 nie gespielt. Aber in MAG konnte man alte Testberichte aus damaligen Spielezeitschriften einsehen und eines dieser Spiele war halt Murder on the Mississippi. Aufgabe des Spiels war es nämlich ein eigenes Spielemagazin im Zeitraum von 1986 – 1995 auf den Markt zu bringen. Für die authentische Atmosphäre sorgten originale Verkaufszahlen und Namen damaliger Magazine und Redakteure.

Retro-Charme

Da ich meine Version des Spiels in meinem Sammlungsstapel leider nicht mehr finden konnte, musste ich mich ein wenig auf Amazon umsehen, ob dort nicht jemand MAG noch gebraucht anzubieten hat. Und siehe da, ich hatte wirklich Glück, da hatte nämlich jemand das Spiel samt Karton und Handbuch zum wirklich günstigen Preis anzubieten. Da musste ich einfach schon aus nostalgischen Gründen zugreifen. Ich kann auch jetzt schon sagen, die paar Euro haben sich für den Retrospaß den ich bisher hatte wirklich gelohnt. Aber wie das nun mal so ist mit den alten Games. Auf heutigen Rechnersystemen bringt man die alten Perlen leider nicht mehr so ohne weiteres zum Laufen. Was musste also her, natürlich der Emulator für alte DOS-Spiele schlecht hin, die DOS-Box. Die Dos-Box emuliert einen kompletten nx86 PC inklusiver aller Hardware die benötigt wird. Ich hatte mich zwar vor mehreren Jahren schon mal mit der DOS-Box beschäftigt, aber dann auch wieder die Lust verloren, daher musste ich sie mir wieder neu downloaden und mich mit ihr auseinandersetzen. Im Falle von MAG kann ich nur sagen, habe ich das Gefühl die Box würde nun deutlich stabiler laufen. Um den Komfort für mich zu erhöhen, habe ich mir als Frontend D-Fend Reloaded zusätzlich runter geladen. Der Name D-Fend war mir noch von meinen ersten Gehversuchen in Erinnerung gewesen. Und auch hier kann ich nur sagen, das Programm hat sich seit damals toll entwickelt. Viel bessere Übersicht in den Menüs und tolle Einrichtungsassistenten. Als besonderes Schmankel wie ich finde, man kann auch gleich von den Spielen Videos aufzeichnen und Screenshots erstellen, sogar der Sound lässt sich gesondert mitschneiden. Mehr als Vorbildlich. Um MAG zu installieren muss man erst einmal ein Festplattenlaufwerk mounten auf dem dann die Spieldaten gespeichert werden können. Damit die CD des Spiels aber richtig gelesen werden kann, muss man noch das CD-Laufwerk mounten. Dabei muss man darauf achten, dass man das Laufwerk, auch wirklich explizit als CD-Laufwerk einrichtet, sonst bricht die Installation nämlich ab, da das Spiel nicht das Laufwerk finden kann. Ist dies alles geschafft läuft das Spiel wunderbar und ohne nennenswerte Probleme in der DOS-Box und dem Retrospaß steht nichts mehr im Wege.


Das Leben als Chefredakteur

Aber wie gestaltet sich nun eigentlich das Leben eines Chefredakteurs bei MAG? Letztlich über das Absuchen von Wimmelbildern wie es damals WiSim-Standard war. Es gibt mehrere gezeichnete Hintergründe die im Comicstil gehalten sind und die Redaktionsräume darstellen sollen. In jedem Raum kann man bestimmte Aktionen ausführen wie z.B. die ankommenden Testmuster auf die Redakteure verteilen, das Layout des Magazins ändern, die Hersteller anrufen um nach Exklusivberichten zu fragen und noch einiges mehr, was zur Leitung eines Spielemagazins gehört. Der jeweilige Monat läuft dabei in beschleunigter Echtzeit ab, je nach Schwierigkeitsgrad hat der Monat dann eine Spielzeit von 5 – 13 min. Dies soll den Stress simulieren ein Heft bis Redaktionsschluss fertig haben zu müssen. Im Grunde ist die Spielmechanik sehr einfach gehalten. Man sucht sich aus einer Horde potenzieller Redakteure ein paar aus, verteilt dann die Testmuster ja nach Befähigung des Redakteurs und stellt dann noch aus zusätzlichen Rubriken wie Hardwareteil, Leserbriefecke etc. ein Heft zusammen. Dies geschieht alles über kleine Menüs, wirklich etwas zu sehen bekommt man da nicht. Keine Spielcover keine Heftseiten oder der Gleichen. Man bekommt lediglich den Namen des Spiels, von welchem Hersteller es ist und welchem Genre es zuzuordnen ist.


Schlusskonferenz

Am Ende eines jeden Monats wartet dann das Highlight. Bei der Redaktionsabschlusskonferenz kann man nun die finale Zusammenstellung des Heftes vornehmen. Hier werden auch neue Vorschläge für Rubriken eingebracht. Soll das Heft z.B. zukünftig über das Geschehen auf Spielmessen berichten oder will man einen Award für herausragende Spiele vergeben und der Gleichen. Auch lässt sich hier noch mal die Seitenzahl des Heftes anpassen. Haben die Redakteure z.B. 20 Seiten für den Hardwareteil geschrieben macht es natürlich wenig Sinn, das Heft auf 200 Seiten aufzublasen, damit auch wirklich jeder Artikel untergebracht werden kann. Daher muss man hier eine Mischung aus Redaktionellen Inhalten und Spieletests finden. Dies ist auch gerade für die Kalkulation wichtig, denn jede gedruckte Seite, vor allem jede farbig gedruckte Seite, kostet richtig Geld. Druckt man dann eine Auflage von 100.000 Heften, verkauft aber nur 20.000, dann ist man schneller Pleite als einem lieb sein kann. Die Verkaufszahlen eines Heftes setzen sich dabei aus den unterschiedlichsten Faktoren zusammen, welche auf halbwegs glaubhaften Daten beruhen. Denn für den Spielzeitraum von 1986 – 1995 wurden original Datenbestände der Verlage in die Datenbank eingegeben, auf dessen Grundlage dann die potenzielle Käufer und Verkaufszahlen der Konkurenzmagazine basieren. So spielt auch der jeweilige Zeitgeist eine sehr wichtige Rolle. Ein reines PC-Magazin im Jahre 1986 ist ein hoffnungsloses Unterfangen, da die Verbreitung einfach viel zu gering war. Hier macht es Sinn ein C64 Magazin an den Start zu bringen.


Atmosphäre

Und genau diese Genauigkeit bei den Daten sorgt für einen ungemeinen Atmosphäre-Bonus. Man versucht sich dadurch immer in die Haut des Gamers von damals zu versetzen. Dazu kommen viele kleine lustige Details, so kann man z.B. entscheiden wie die Wertung eines Spiels zustande kommen soll. Entweder kann der Tester alleine entscheiden, er trifft eine Vorabentscheidung und die anderen geben ihren Senf dazu oder es gibt eine vollkommen demokratische Entscheidung bestehend aus der Meinung aller Redakteure. Wenn man möchte kann man als Chef auch jede beliebige Wertung eingeben und so das Spiel der Firma XY, die einem eine Exklusivreview gegeben hat, mit einer 90% Wertung versehen. Für noch mehr Atmosphäre, hält das Spiel immer mal wieder die Möglichkeit bereit, sich alte Testberichte aus damaligen Spielen anzusehen. Hat man am Ende des Monats ein Heft fertig produziert bekommt man eine Inhaltsübersicht mit den Beiträgen. Manche davon sind dann mit einem Stern gekennzeichnet. Diese lassen sich dann anklicken und man bekommt einen originalen Bericht aus der damaligen Amiga Games zu sehen. Diese sind heute unheimlich witzig zu lesen, mein bisheriges Highlight war bisher Smantha Fox Strip Poker. Es mutet geradezu satirisch an, wenn hier die Vor- und Nachteile von Grün- und Farbmonitoren diskutiert werden. Es werden sogar Vergleiche mit dem Vorgänger „Nude Girls“ gezogen, der hatte nämliche eine deutlich schwächere Poke KI. Zitat: „…da Sam ihre Züge genau analysiert und schon nach zwei bis drei Partien merkt, ob Sie (ja das Sie ist wirklich groß geschrieben) bluffen oder nicht. Ich bekam Sam erst nach 3 Stunden und 27 Minuten dazu, Ihre (auch groß geschrieben) Hüllen fallen zu lassen.“ Gott das ist so komisch, allein dieser Test war den Kauf des Spiels wert. Ich habe mir extra die Mühe gemacht und habe diesen Test mal aus mehreren Einzelscreenshots zusammengestückelt. Denn aufgrund der geringen Auflösung des Spiels kann man die alten Berichte nie als ganzes begutachten und muss die Seiten mit der Maus verschieben. Übrigens, das Spiel bekam auf einer Skala von 1-10 eine 10 für Spielmotivation.


Simulator-Games

In den letzten Jahren haben sich waschechte Zocker häufig über das Phänomen Simulatorspiel gewundert. Wie kann es sein, dass sich Spiele wie der Landwirtschaftssimulator oder der Bus-Simulator verkaufen wie geschnitten Brot. Also mir ist es dank MAG ein ganzes Stück klarer geworden, denn auch wenn MAG deutlich liebevoller aufgemacht ist als diese Simulatorgurken, beruht es auf genau den gleichen Spielprinzipien. Man klickt sich aus einigen Namenblättern Angestellte zusammen, welche ein monatliches Gehalt verbrauchen. Dann klickt man auf kleine Balken die die Spiele repräsentieren  und verschiebt sie auf die Redakteursbalken. Am Ende verlangt man dann für ein produziertes Heft, welches lediglich aus einem Inhaltsverzeichnis besteht, eine bestimmte Geldsumme und kalkuliert so lange bis ein Gewinn bei rum kommt. Und das Monat für Monat für Monat für Monat für Monat. Immer wieder nur damit am Ende Verkaufszahlen steigen und sich sein Geldbestand mehrt. Dagegen ist der Landwirtschaftssimulator beim mähen des Feldes nicht nur abwechslungsreicher sondern bietet sogar mehr optisches Feedback. Dennoch habe ich schon richtig viel Zeit wieder mit MAG verbracht und mich keine Sekunde gelangweilt. Der Grund liegt in meiner Vorstellungskraft begründet.

Wenn ich im Spiel beim Hersteller LucasFilm Games anrufe und nach der Exklusiv-Review für Maniac Mansion nachfrage und diese auch bekomme, dann habe ich im Spiel lediglich auf zwei Namen geklickt und den Nachfrage Button betätigt, woraufhin ein Textfenster erscheint. In meiner Fantasie habe ich aber ein unheimlich wichtiges Telefonat geführt mit einer Firma die in naher Zukunft zu Weltruhm für Adventures gelangen wird und sich dann in Lucas Arts umbenennen wird. Und der Exklusivbericht handelt von einem Spiel, welches das klassische Adventure Genre quasi erfunden hat. Von daher, wer schon immer mal Landwirt oder Busfahrer sein wollte, der wird in diesen Simulatorspielen nicht eine Sekunde auf die begrenzte Spielmechanik achten, sondern in seiner Fantasie die erstaunlichsten Dinge tun, die er im wahren Leben nicht ohne weiteres tun kann. In diesem Sinne, lasst euren Gedanken freien Lauf.

Bewegte Bilder


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