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Samstag, 2. Februar 2013

Toms Tagebuch - To The Moon


Ich werde meinen Pile of Shame vermutlich nie abbauen können. Zu häufig lass ich mich von irgendwelchen Spielen ablenken, die für den Bruchteil einer Sekunde in meine Wahrnehmung rücken und plötzlich so viel Aufmerksamkeit erzeugen, dass ich sie einfach sofort spielen muss. Ein gutes Beispiel hierfür ist To The Moon. Ich weiß schon gar nicht mehr wo ich darüber gelesen habe. Jedenfalls fand ich es schon bei erscheinen einen spannenden Titel und hatte sogar die 1-stündige Demo angespielt. Dann aber doch nicht gekauft. Jetzt kam das Spiel durch einen Artikel im Netz wieder in mein Bewusstsein. Also schnell bei GoG vorbeigeschaut und es gekauft.

RPG-Maker

To The Moon ist allerdings kein Spiel im herkömmlichen Sinne. Es ist vielmehr eine interaktive Geschichte. Gemacht wurde das Spiel mit dem RPG-Maker. Ich selbst kenne mich weder mit dem Tool, noch mit der Community aus. Habe mir aber sagen lassen, dass To The Moon das erste kommerzielle Spiel ist, das mit dem RPG-Maker gemacht worden ist. Die Spiele die mit diesem Tool gemacht werden haben stets den Look alter Rollenspiele wie z.B. die der ersten Final Fantasy Teile. Aber es gibt durchaus auch andere Genres die damit realisiert worden sind. So habe ich auch schon Survival Horror Games und klassische Brawler gesehen und gespielt. To The Moon konzentriert sich in erster Linie auf den Aspekt des Geschichten erzählens. Man bewegt seine Figuren also durch die Spielwelt und lässt sie dabei mit Personen und Objekten interagieren. Die Gespräche und Kommentare werden dabei, wie früher üblich, rein in Text-Fenstern dargestellt. Wer also nicht lesen mag kann To The Moon von seiner Liste streichen. Wobei einem dann vielleicht eine der am besten erzählten Geschichten in einem Spiel ever entgehen könnte.

Story

Bei To The Moon geht es um einen alten Mann namens John, der im sterben liegt und nur noch einen sehnlichsten Wunsch in sich trägt. Er möchte zum Mond. Glücklicherweise spielt To The Moon in einer Zeit in der solche Wünsche kurz vor dem Tode Wirklichkeit werden können. Denn die Sigmund Corporation schickt in solchen Fällen ihre zwei besten Leute (oder wer auch sonst immer sich freiwillig meldet), Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts. Mit Hilfe modernster Technologie sind sie in der Lage in die Erinnerungen ihrer Patienten einzutauchen und dort die Erinnerung an die sehnlichen Wünsche einzupflanzen. Im Falle von John also die Erinnerung an eine Reise zum Mond. Dies funktioniert aber nicht so einfach wie bei Total Recall, sondern ist ähnlich vertrackt wie im Film Inception. Denn der Patient muss den Gedanken an eine Reise zum Mond in seinen tiefsten Erinnerungen eingepflanzt bekommen. Dafür müssen Dr. Rosalene und Dr. Watts durch viele viele Schichten von Johns Erinnerung Rückwärts in der Zeit reisen. Also begonnen bei den jüngsten Erinnerungen, die der alte John erlebt hat, hin zu seinen ältesten Erinnerungen, die der junge John erlebt hat. Hierbei erlebt man die Liebesgeschichte zwischen John und seiner verstorbenen Frau River. Diese ist voller Tragik aber auch von schönen und romantischen Momenten geprägt. Dadurch, dass man die Geschichte Rückwärts erlebt ist es unheimlich spannend zu erfahren, wie all das begann, dessen Ende man ja bereits kennt.

Spielerisch

Spielelemente gibt es dabei nur wenige. In jeder Erinnerungsstufe muss man in den Locations Erinnerungsstücke in Form von bunten Kugeln einsammeln. Hat man alle beisammen ist man dann in der Lage eine Bresche in die Erinnerung zu schlagen und so eine Ebene weiter zu reisen. Hierfür muss man dann jedes Mal ein kleines Puzzlespiel lösen. Diese sind aber nicht besonders schwer. Ein kleiner Hindernislauf und das Reiten auf einem Pferd komplettieren dann auch schon die Momente die an ein richtiges Spiel erinnern. Aber To The Moon will auch gar kein Spiel sein. Sondern mit seiner Geschichte berühren und unterhalten. Und das hat es zumindest bei mir hervorragend geschafft. Ich war von Anfang an interessiert wie die Geschichte mit John und River angefangen hat und auch die beiden Helden, Dr. Rosalene und Dr. Watts sind mir schnell ans Herz gewachsen. Die einfühlsame Dr. Rosalene und der zynische und sarkastische Dr. Watts sind einfach ein wunderbar streitbares Duo, dass sich unentwegt neckt und angiftet. Das macht sie unheimlich sympathisch und durch sie bekommt man auch immer wieder die nötige Distanz und Humor geboten, wenn in der Vergangenheit von John etwas trauriges geschehen ist.

Fazit

Das Spiel bzw. die Geschichte kann sicher nicht jedem empfohlen werden. Jeder der von einem Spiel mehr erwartet, als „nur“ eine Geschichte erzählt zu bekommen, ist bei To The Moon ganz klar an der falschen Adresse. Auch modernste Technik wird er hier nicht bekommen. Wer aber gerne eine romantische und durchaus vertrackte Geschichte erleben will und eine der vielleicht besten Titelmelodien hören möchte, der sollte unbedingt zuschlagen. Die Grafiken sind zudem sehr liebevoll gezeichnet. Ein ums andere Mal bin ich stehen geblieben um die Szenerie zu bewundern. Das Spiel ist mit knapp 4-5 Stunden nur unwesentlich kürzer als so mancher Shooter und erzählt mit angrenzender Wahrscheinlichkeit die deutlich bessere Geschichte. Also kann man in meinen Augen für wenig Geld ruhigen Gewissens zuschlagen. Oder Probe spielen, denn die Macher bieten auf ihrer Webseite eine voll spielbare Demo, die eine Stunde spielbar ist. 

Video

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