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Donnerstag, 30. Mai 2013

Toms AllTime Favorites - Civilization




Hallo Leute, heute bin ich mal wieder im Retro-Gewand unterwegs. In der Rubrik All-Time Favorites will ich gerne die Spiele vorstellen, die einen solchen Impact auf mich hatten, dass ich mich immer und immer wieder auf sie zurück besinne. Titel die sich einfach in mein, Unterbewusstsein gebrannt haben und mich zu dem Zocker gemacht haben, der ich heute bin. Anfangen möchte ich dabei mit einem meiner allerersten Spiele. Civilization.

Verständnis


Erschaffe eine Zivilisation
Um zu verstehen, warum Civilization für mich eines meiner, wenn nicht gar mein ultimatives, Lieblingsspiel ist, muss man auch wissen wie ich dieses Spiel seiner Zeit erlebt hatte. Denn ich bin für meine Generation erst relativ spät in die Lage versetzt worden selbst zu Hause Computer bzw. Videospiele spielen zu können. Meine Eltern waren lange lange Zeit dagegen gewesen mir einen PC oder eine Konsole zu schenken, da sie der Meinung waren, dass man ja nur noch davor sitzen und verblöden würde. Von daher kannte ich diese fantastische Welt der Computer nur von Freunden und Verwandten die ich ab und zu besuchte. Umso größer war natürlich die Aufregung, als mein Vater dann endlich sagte er schafft einen PC an.

Der erste PC


Herrlicher Kopierschutz
Bei diesem PC handelte es sich um einen 386er mit 84MB Festplatte und 2MB Arbeitsspeicher. Später kam noch eine SoundBlaster Karte und eine Speichererweiterung auf 4MB RAM dazu. Ich werde diese Spezifikationen auf ewig im Kopf behalten, weil ich so fasziniert war von diesem Gerät. Als Betriebssystem hatte er DOS 5.0, mit seiner Shell-Oberfläche und zusätzlich das schlechte alte Windows 3.1. Ich war so begeistert von diesem brummenden Kasten, dass ich schon einen riesigen Spaß daran hatte, durch Versuch und Irrtum, die Schriftgrößen, Farben und Anordnungen der Fenster der Shell-Oberfläche zu verändern. Die wichtigsten Kommandozeilen Befehle wie dir, cd, tree, dir/p usw. kann ich heute noch. Aber das Wissen um die Technik war für mich eigentlich nur Mittel zum Zweck. Mir war einfach klar, dass wenn ich diese unglaubliche Welt der PC-Spiele betreten will, dann muss ich die Technik beherrschen. Also las ich Bücher über DOS und probierte einfach viele Dinge aus. Das Internet gab es schließlich noch nicht.

Die ersten Spiele


Belohnung für eine gute Regentschaft
Mein erstes richtiges Spiel (den Werbespiel Flipper-Simulator klammere ich hier mal aus), war Prince of Persia. Ich habe es immer und immer wieder gespielt und muss zu meiner Schande gestehen, dass es mir zu schwer war. Bei Level 7 oder 8 war Schluss. Wie viele Kinder zu dieser Zeit hatten wir beim Thema Raubkopien kein echtes Unrechtsbewusstsein. Warum auch? Schließlich musste man nur die Diskette nehmen und mit dem Befehl copy, oder noch besser, mit dem Norton Kommander, kopieren und fertig war die Laube. Von meinem Cousin bekam ich dann als Sicherungskopie auch meinen ersten Bund an Spielen. Unter anderem eben dieses Civilization. Außer dem handgeschriebenen Namen auf der Diskette wusste ich natürlich nichts über das Spiel. Das es Spielezeitschriften wie die Power Play gab wusste ich zwar, aber gelesen habe ich diese zum dem Zeitpunkt noch nicht, dass kam erst deutlich später. Daher war der Name alles was mir zur Verfügung stand um Rückschlüsse über das Spiel zu ziehen. Irgendwas mit Zivilisation halt, klingt spannend.

Kein Handbuch


Der Verwaltungsbildschirm für die Städte
Wenn man wie ich keinerlei Ahnung von Spielen hatte und dann nicht mal ein Handbuch zur Verfügung stand, dann setzt man sich natürlich nicht an ein Spiel und spielt einfach los, so wie heute. Tutorials im Spiel gab es auch keine. Dadurch hat man die Spiele aber auch auf eine gänzlich andere Art und Weise war genommen. Man war gezwungen sich zu überlegen was der Grundgedanke hinter dem Spiel war und man musste sehr vieles einfach ausprobieren. Und ich kann nur betonen, stellt euch vor wie es ist, wenn man noch nie Menüs, Maussteuerung, Hilfstexte oder ähnliches verwendet hat. Man muss sich ihren Zweck erst mal erschließen. Civilization war da ein fantastisches Übungsfeld, aber eben auch schwer zu begreifen, zumindest für mich damals. Nach dem man seine Zivilisation und den Schwierigkeitsgrad ausgewählt hatte wurde man nämlich sofort in einer schwarze Bildschirmfläche entlassen, wo ein quadratischer blinkender Kasten zu sehen war. Die Einheitenbezeichnung beschrieb diesen Kasten als Siedler. Aber was macht man nun damit? Hmm, im Menü kann man Sachen auswählen wie Straße oder Bewässerung bauen auswählen. Ohhh, man kann eine Stadt gründen. OK, das machen wir doch mal. Also gründete ich eine Stadt. Plötzlich wechselte der Bildschirm in eine Stadtansicht und animierte Planwagen bewegten sich und verwandelten sich plötzlich in Lehmhütten. Ich kann es gar nicht in Worte fassen wie cool ich das damals fand. Ich saß vor dem Rechner wie vom Donner gerührt. Ich konnte mittels eines einfachen Klicks tatsächlich eine ganze Stadt gründen.

Eine Stadt


Die funktionale Landkarte
Die nächsten Wochen verbrachte ich dann damit diese eine Stadt auszubauen und zwar immer wieder. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Konzept des Bewegens von Einheiten noch nicht verstanden. Ich spielte mit einer Stadt und klickte mich von Runde zu Runde. Mit Hilfe der Forschung konnte ich dann nach und nach immer neue Gebäude und Einheiten bauen. Und dann kamen plötzlich anders farbige Einheiten zu meiner Stadt. Ich fragte mich zwar wie die das machten, aber wirklich kritisch hinterfragt habe ich das nicht. Ich baute halt weiter an meiner Stadt und führte diplomatische Beziehungen zu den anderen Nationen. Ich tat dies stundenlang, immer bis zu dem Zeitpunkt wo es den Computergesteuerten Nationen offenbar zu Bund wurde und sie meine Stadt dann doch vernichteten. Doch dann fand ich oben in der Menü-Leiste den Befehl Gehe zu oder schlich Go to. Ich klickte auf eine Ecke der sichtbare Karte, meine Einheit verließ die Stadt und deckte einen weiteren Teil der Karte auf. Ich war wie vom Donner gerührt. In Sekundenschnelle kombinierte ich in meinem Kopf all das Wissen, was ich bisher über das Spiel hatte, mit der neuen Information, dass ich Einheiten auch bewegen kann. Sofort war mir klar, dass das Spiel ja noch tausendmal besser ist als ich bisher schon angenommen hatte. Ich konnte sogar mehr als nur eine Stadt gründen und verwalten. Wahnsinn. Leider musste ich schon kurz nach dieser Erkenntnis zum Fußballtraining.

Der Rest ist Geschichte


Die Forschung war der Schlüssel für die Entwicklung des Reiches
Nachdem ich festgestellt hatte, dass man Einheiten auch bewegen kann war der Damm natürlich gebrochen. Ich arbeitete mich über die nächsten Monate immer tiefer in das Spiel ein. Mit jedem Spieldurchgang lernte ich etwas neues dazu. Und es war sogar sehr lehrreich. Die Civilopedie bot zu jeder Einheit und zu jedem Forschungsprojekt einen eigenen Eintrag, der wissenswertes über den geschichtlichen Kontext und die Konzepte dahinter erklärte. Themen wie das Rittertum, die Bedeutung der Schrift, die Konzepte hinter Staatsformen wie Monarchie, Kommunismus und Demokratie, alles habe ich zum ersten Mal gelesen und gehört in Civilization. Noch heute erinnere ich mich an einige der letzten Forschungsprojekte wie die Fusion und den Supraleiter. Ich habe das Spiel wirklich aufgesogen und mir in jedem Detail regelrecht erarbeitet. Ich weiß schon gar nicht mehr wie oft ich die Welt erobert habe und wie oft ich ein Raumschiff nach Alpha Centauri geschickt habe. Seither habe ich fast jeden Civilization Nachfolger mal mehr mal weniger ausführlich gespielt. Aber die Faszination des ersten Teils konnten sie nie erreichen. Denn diese aufregende Erfahrungen des Kennenlernens konnten sie natürlich nicht replizieren. So bleibt Civilization für mich ein Alltime Favorite und eines der besten Spiele aller Zeiten. Selbst heute noch übt es auf mich den selben Charme wie damals aus. Ich habe nicht das geringste an der Technik oder am Spielgefühl auszusetzen. So wie es ist, ist es perfekt und dafür liebe ich dieses Spiel.      

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