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Samstag, 20. Dezember 2014

Red Baron - Toms Rückblick

Hallo Leute, heute gehe ich in Toms Rückblick richtig weit zurück in meine Spielervergangenheit. Und zwar zu dem Flugsimulationsklassiker, Red Baron. Ich selbst habe das Spiel so ungefähr um 92, 93 rum gespielt und es war eines meiner aller ersten Games die ich auf dem PC gespielt habe. Neben Civilization und Monkey Island 2, gehörte es zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Noch heute bekomme ich eine absolute Gänsehaut, wenn die Titelmelodie des Intros ertönt und der Flieger das Logo mit seinem Maschinengewehr durchsiebt. Dank meiner nagelneuen Soundblast Karte konnte ich diese wunderbare Tonalität und den satten Sound des ratternden Gewehrs seiner Zeit genießen.

Das Spiel selbst ist im Jahr 1990 erschienen, wurde von dem Entwicklerstudio Dynamix entwickelt und von Sierra vertrieben. Wobei ich das Studio damals natürlich Dünamix ausgesprochen habe und Sierra, Sie Erra. Spielerisch wurde eine Menge geboten. So hatte das Spiel einen sehr umfangreichen Karriere Modus, in dem man als Pilot im 1. Weltkrieg entweder auf Seiten der deutschen Luftwaffe oder der Alliierten in den Kampf ziehen konnte. Als Kind hat mich das moralisch vor ein sehr großes Problem gestellt. Ich hatte nur eine sehr rudimentäre Vorstellung vom 1. Und 2. Weltkrieg, dass meiste kannte ich aus meinem Kinderlexikon, wo der Verlauf des 1. bzw. 2. Weltkrieg jeweils auf einer Doppelseite dargestellt wurde, mit illustrierenden Bildern der Ereignisse. Was ich hieraus mitgeschnitten hatte, die Deutschen waren die Bösen und hatten angefangen. Da ich aber keinen bösen Spielen wollte habe ich mich anfangs nicht getraut die deutsche Karriere zu spielen.


Erst nachdem ich die Alliierten Kampagne mehrfach durchlebt hatte, traute ich mich dann einmal die deutsche Kampagne zu starten. Aber immer ein wenig verschämt mich umschauend. Der häusliche PC stand damals nämlich auf dem Flur und ich wollte nicht dabei gesehen werden, wie ich deutsche Kampfflugzeuge über den Monitor fliegen ließ. So habe ich manchmal einfach schnell den Monitor ausgemacht oder bin in Menüs gewechselt, wo nicht der der stramm stehende Blondschopf, des Karriere-Menüs zu sehen war. Aus heutiger Sicht ziemlich absurd, zumal meine Eltern keineswegs mit der Moralkeule unterwegs waren. Es war einfach meine Art, als Kind möglichst reflektiert mit den Inhalten dieses Spiels umzugehen.

Und das Spiel bot sogar einige historische Feinheiten, die es sehr spannend machten, sich auch mit den Hintergründen des damaligen Luftkrieges auseinander zu setzen. So wurden sämtliche im Spiel vorkommenden Flugzeuge historisch korrekt innerhalb der Karriere eingeführt. Flog man zu Beginn des Krieges bei den deutschen noch mit langsamen und undynamischen Eindecker Maschinen wie den Fokker E.III, ging es später über die Albatros Maschinen bis zu meinem persönlichem Liebling, dem kleinen dafür umso wendigeren Fokker Dr.1 Triple-Decker. Auf Seiten der Alliierten Streitkräfte, startete man mit dem unfassbar labilen und langsamen F.E.2b. und wartete sehnsüchtig auf die Entwicklung der Sopwith Camel. Oder wie ich sie damals nannte Swupiet Camel. Sie war sehr schnell, stabil und fast so wendig wie der von mir geliebte Triple-Decker.


Das Fluggefühl war nach einiger Eingewöhnungszeit sehr eingängig. Bei fast allen Einsätzen startet man direkt in der Luft, mit Ausnahme der Verteidigung der Heimatbasis, wo man am Boden beginnt. Wobei sich das Spiel aus einem festen Pool von Missionsarten bedient, lediglich mit leicht variierenden Rahmenbedingungen, wie Anzahl der Flugzeuge, Flugzeugtypen, Flak-Stellungen usw. So gab es die klassischen Eskort-Missionen, in denen man Ballons, Aufklärer oder Bomber vor Feinden schützen musste. Oder man ging selbst auf die Jagd nach selbigen. Reine Dogfight Missionen gab es natürlich auch. Neben der Karriere konnte man auch aus einer Reihe historischer Missionen wählen, bei denen man bestimmte Ereignisse nachspielen konnte.

Ganz besonders gelungen ist die Optionsvielfalt beim Einstellen des Schwierigkeitsgrades. Man konnte nahezu alles beeinflussen um das Spiel den eigenen Fähigkeiten anzupassen. Dabei bewertete das Spiel das Ganze mit einem Punktesystem zwischen 1 und 100 wodurch man am Ende durch den Highscore auch etwas davon hatte sich den zusätzlichen Schwierigkeiten im Luftkampf auzusetzen. So konnte das Maschinengewehr klemmen, die Munition begrenzt sein oder man konnte sogar durch Treffer verwundet werden, durch die man dann langsam elendig verblutete. Es sei denn man schaffte es rechtzeitig die Missionen zu beenden und zurück zu Basis zu kommen. Selbst Details wie das Blenden der Sonne und realistisches Wetter ließen sich einstellen. Wirklich sagenhaft. Damit will ich nicht sagen, dass das Spiel extrem realistisch war. Aber durch die vielen kleinen Details, vermittelte es einem damals ein realistisches Gefühl.


Ich habe das Spiel damals wirklich bis zur kalten Vergasung gespielt und mein Rekord an Abschüssen in einer Karriere lag bei weit über 200. Doch wie so viele Spiele jener Zeit, kam meine Version damals ohne ein Handbuch in mein Laufwerk. Und da es auch eines meiner ersten Spiele überhaupt war, hatte ich auch keine vergleichbaren Spiele schon mal gespielt. Daher war die Steuerung zu Beginn für mich eine ziemliche Herausforderung. Dass man das Flugzeug über die Pfeiltasten steuern konnte, fand ich noch schnell heraus. Auch die Bedienung des Maschinegewehrs über die Leertaste ging schnell in Fleisch und Blut über. Doch für die Optionen der Kamera-Steuerung brauchte ich schon eine Weile. So konnte man über die Enter-Taste in eine Außenperspektive wechseln und die F-Tasten boten weitere Ansichten, wie z.B. die wichtige Rückansicht. Am aller schlimmsten war aber das Starten.


Wie schon gesagt, gab es auch Missionen innerhalb der Karriere, in der man seine Heimatbasis verteidigen musste. Und diese Missionen begannen natürlich nicht in der Luft bei laufendem Motor, sondern am Boden. Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wie man das verdammte Drecksflugzeug starten konnte. Lange Zeit habe ich dann immer gehofft innerhalb der Karriere, dass die anderen den Kampf gewinnen, auch ohne meine Hilfe. Ansonsten musste ich die Mission einfach von vorn beginnen. Später wurde ich dann so frustriert, dass ich einfach damit Begann wie wild mit den ganzen Handflächen über die Tastatur zu fahren, in der Hoffnung etwas zu bewirken. Und es klappte dann sogar. Aus irgendeinem Grund startete meine Maschine. Dies war dann lange Zeit meine Spielweise um zu starten. Einfach mit der Handfläche nahezu alle Tasten drücken und hoffen die Maschine startet. Erst sehr viel später fand ich heraus, dass die Motoren einfach mit Plus und Minus reguliert werden.

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