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Dienstag, 20. Januar 2015

Colonization - Toms Tagebuch


Hallo Leute, das erste Colonization war damals das erste Spiel welches ich mir mit meinem eigenen Geld gekauft habe. Kaum ein Spiel habe ich so oft und so lange gespielt wie Colonization. Die Ankündigung einer Neuauflage auf Basis der Civilization 4 Engine versetzte mich daher in helle Freude. Und ich kann sagen, die Wiederbelebung des Klassikers ist geglückt.

Alt bewährt 


Da sich das Spiel selbst als schlichte Neuauflage sieht, richtet es sich in erste Linie an die Fans des Originals. Demnach blieb das Spielprinzip komplett unangetastet. Aber worum geht es eigentlich bei Colonization? Ganz einfach, um die Besiedelung der neuen Welt Amerika. Nach dem man zu Beginn des Spiels sich für eine von 4 Nationen und einem Landkartentyp entschieden hat, startet man mit einem Schiff, welches einen Pionier und einen Soldaten an Bord hat. Alles genau wie im Original. Nun segelt man in bewährter Rundenmanier in Richtung Land und geht mit seinen Einheiten von Board. Dort gründet man dann seine erste Kolonie. Durch regen Handel mit Europa, den anderen Nationen und den Indianern gelangt man im Laufe des Spiels zu immer mehr Reichtum und baut so seine Kolonien immer weiter aus. Das Endziel dabei ist es, am Ende eine so starke Armee aufzustellen, dass man in der Lage ist die Expeditionsstreitkräfte des Königs zu besiegen und so die Unabhängigkeit von Europa zu erreichen. 

Wie man kolonisiert 

Aber wie kolonisiert man eigentlich? Kenner des Originals können diesen Abschnitt getrost überspringen, denn es hat sich fast nichts getan im Vergleich zum Original.

Am wichtigsten für die Kolonialisierung ist ein wirtschaftlicher Einsatz der zur Verfügung stehenden Einheiten und Ressourcen. Für jede Arbeit in der neuen Welt benötigt man nämlich eine eigene Einheit. Möchte man z.B. in der frisch gegründeten Kolonie Nahrung produzieren, muss man eine Einheit auf eines der Felder rund um die Kolonie setzen und ihr befehlen Nahrung anzubauen. Dies geschieht im Koloniebildschirm. Im Koloniebildschirm kann man seine Kolonisten entweder Ressourcen auf den umliegenden Feldern an- bzw. abbauen lassen, oder man lässt sie in Manufakturen die gewonnen Rohstoffe in Fertigwaren umwandeln. Aus Tabak dreht man Zigarren, aus Baumwolle wird Stoff usw. Um die Produktionsabläufe zu optimieren kann man Spezialisten einsetzten. Ein Meister Farmer produziert auf dem gleichen Feld natürlich mehr Nahrung, als ein ungelernter Kolonist und ein Meister Zigarrendreher fertigt mehr Zigarren an. Zusätzlich können die Gebäude optimiert werden für die Herstellung, auch lassen sich Sondergebäude bauen, die dann z.B. Schiffe bauen können oder mehr Freiheitsglocken bzw. Kreuze erzeugen. Freiheitsglocken? Kreuze? 

Die Freiheitsglocken benötigt man, um die Bevölkerung nach und nach für die Idee der Revolution zu gewinnen. Zu Beginn sind nämlich alle Kolonisten dem König noch treu ergeben. Die Kreuze hingegen sorgen für Religiöse Unruhe in der alten Welt und bringt neue Kolonisten dazu, sich auf den Weg in eure Kolonien zu machen. Dies ist deswegen so wichtig, da der Nachschub an neuen Kolonisten und Spezialisten ein knappes Gut in der neuen Welt ist. Sind zu Spielbeginn noch für wenig Geld neue Arbeitskräfte zu bekommen, steigen mit jedem neuen Mitglied die Kosten. So wird es im Laufe des Spiels immer unwirtschaftlicher Kolonisten zu bezahlen um auszuwandern. Bis dahin sollte man sich neue Wege geschaffen haben um an Kolonisten zu kommen. Dies geschieht z.B. über den Anbau von Nahrung. Ab einer bestimmten Menge werden die Lebensmittel gegen einen neuen Kolonisten eingetauscht. Eine weitere Möglichkeit sind die Indianer. Natürlich ist die neue Welt nicht unbewohnt, sondern wird von vielen verschiedenen Völkern bewohnt. Mit ihnen kann man Handel betreiben, sie überfallen oder auch Missionen errichten. Einige der Indianer konvertieren dann sogar. Des Weiteren kann man ungelernte Kolonisten in die Dörfer schicken. Jedes der Dörfer bietet nämlich eine bestimmte Spezialisierung an, die dieser Kolonist dann lernen kann. Nur so kommt man an bestimmte Spezialisten wie z.B. den Meister Pelzjäger. 

So spielt man sich Runde um Runde. Immer wieder gibt es neue wichtige Entscheidungen zu treffen. Bilde ich den Kolonisten zum Meister Farmer oder Meister Fischer aus. Baue ich die Werft um Kriegsschiffe bauen zu können oder die Schule, damit ich neue Spezialisten selbst ausbilden kann. Helfe ich dem Indianerstamm im Kampf gegen den europäischen Nachbarn oder kämpfe ich gegen sie. Noch weiter angeheizt wird das süchtig machende Spielprinzip durch Nachrichten des Königs, der immer mal wieder die Steuern erhöht oder Tribut fordert. So stachelt er uns immer mehr an die Unabhängigkeit zu fordern. Womit der historisch korrekte ablauf auch noch gegeben ist. Wer wollte nicht schon immer selbst die Bostoner Tea-Party veranstalten. Leider gibt es keinen Tee als Handelswahre. Dafür kann man aber z.B. eine Ladung Stoffe ins Meer werfen. Nachteil, diese Wahre kann dann nicht mehr in Europa gehandelt werden. Bis dahin sollte man also entweder bereit für die Unabhängigkeit sein oder neue Handelspartner bei den anderen Mächten oder den Indianern gewonnen haben. Es gibt noch einige weitere Nuancen im Spiel die hier bestimmt vergessen habe, aber ich hoffe ich konnte den Spielablauf halbwegs anschaulich schildern.

Was ist denn nun neu

Eine der auffälligsten Neuerungen ist sicherlich das Kampfsystem. Früher gab es im Grunde 3 Truppenunterscheidungen Dragoner (ein berittener Soldat), Soldat und unbewaffneter Kolonist. Wenn ein Dragoner eine Schlacht verloren hatte, dann verlor er zuerst seine Pferde und wurde zum Soldaten. Verlor er dann nochmal, wurden ihm die Waffen abgenommen und er wurde zum unbewaffneten Kolonisten. Erst nach diesem Degradierungsmarathon, hatte man die Einheit endgültig verloren. Im neuen Teil ist die Einheit nach einer Niederlage gleich futsch. Zum Ausgleich gibt es dafür nun ein Erfahrungspunktesystem, welches es erlaubt bei einem Stufenaufstieg der Einheit neue Fähigkeiten zu spendieren. Zum Beispiel eine höhere Kampfkraft oder ein verbesserter Bewegungs- bzw. Sichtradius. Für mich ist diese Neuerung ohne Belang, da ich Colonization schon immer so friedlich wie möglich gespielt habe. Bei der Endschlacht spare ich dadurch eigentlich nur Zeit.

Weitere Neuerungen sind zwar vorhanden, fallen aber nur sehr klein aus. Pferde vermehren sich nicht mehr von alleine sondern müssen gezüchtet werden. In Schulen müssen nicht mehr Spezialisten unterrichten, sondern es reicht wenn sie in der Kolonie arbeiten. Man kann zu Spielbeginn zwischen 2 Anführern wählen die zusätzliche Boni bringen. Und noch ein paar andere. Als wirklich vorteilhaft hat sich aber erwiesen, dass man nun immer sehen kann welche Berufe man bei den Indianerdörfern lernen kann und welche Waren sie bevorzugen. Ich habe mir das früher immer auf eigenen kleinen Karten aufgezeichnet. Heute ist man irgendwie auch ein wenig verwöhnt was die Steuerung angeht. 

Technik

Die Technik basiert wie der Name schon vermuten lässt, auf der Engine von Civilization 4. Schön bunt, einigermaßen detailiert und was am wichtigsten ist, sie gibt ein gutes optisches Feedback über die Geländeinformationen. Trotzdem ist das Spiel natürlich kein optisches Brett wie z.B. Company of Heroes. Das muss auch gar nicht. Bei ein paar Sachen hätten sich die Entwickler allerdings mehr Mühe geben können, z.B. bei der Europa- und Kolonieansicht. Anstatt einer grafisch schön ausgebauten Kolonie, betrachte ich immer noch kleine schematische Zeichnungen von Gebäuden. Und in Europa bekomme ich nicht mal mehr den Hafen wie im Vorgänger zu sehen, sondern nur noch einen braunen Hintergrund mit Menüs, für ankommende und abfahrende Schiffe und wartende Kolonisten. Bei solchen Details hätte man sich klar mehr Mühe geben können. Die Musik im Spiel ist wie beim Klassiker sehr düdelig ausgefallen und ist somit eine Frage des Geschmacks. Ich persönlich habe schon beim Original lieber eigene Musik angemacht und in Ruhe kolonisiert. Die Steuerung ist komfortabel gelöst. Man kann entweder alles über die Buttons in der unteren Menüleiste regeln oder wie früher die Shortcuts nutzen. 

Warum ich das Spiel liebe

Für mich als alten Colonization Fan ist das Spiel natürlich Pflicht gewesen. Die Spielmechanik ist noch genauso fordern und packend wie früher. Die wenigen Veränderungen sind gerade ausreichend, dass ich immer noch das Gefühl habe eine neues Spiel zu spielen und nicht das Original. Auch wenn man nach all der Zeit sicher mehr Mut für Innovationen hätte haben können, bin ich dennoch froh, dass man so sehr an die alten Fans gedacht hat, die einfach nur das selbe Spiel nochmal haben wollten. Denn Nostalgie hin oder her, ein wenig bessere Grafik und Steuerung ist man dann doch mittlerweile gewohnt und so kann ich ruhigen Gewissens nun den Nachfolger spielen und mein altes Colonization in den Ruhestand schicken. Eine klare Empfehlung an alle alten Fans. 

Warum andere es lieben sollten

Jeder der noch nie Colonization gespielt hat, sollte diese Erfahrung nun nachholen. Die im Prinzip einfach Spielmechanik ist heute noch ein absoluter Traum für Rundenstrategen. Viele Entscheidungen haben erst im weiteren Verlauf Konsequenzen und man muss lange im Voraus planen wie man später die Unabhängigkeit erlangt. Das Spiel ist selbst auf niedrigstem Schwierigkeitsgrad fordernd und somit alles andere als ein Leichtgewicht. Wobei die Schwierigkeit im Aufbaupart selbst liegt und weniger in der Gegner-KI, die ist nämlich nur Staffage. Wer aber ein forderndes Rundenstrategiespiel sucht, das einem im Spielverlauf immer wieder vor neue Schwierigkeiten stellt, der sollte unbedingt zuschlagen. Bessere Spielkonzepte gibt es kaum.

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